Dass in der Chinesische Medizin vieles anders ist als in unserem westlichen Verständnis von Gesundheit und gesunder Ernährung, haben Sie mittlerweile in den letzten Monaten in meinen Tipps erfahren.
Im ersten und ältesten Werk zur Traditionellen Chinesischen Medizin, dem Neijing (Klassiker des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin) steht sinngemäß unter anderem:
Bei Hitze soll gekühlt werden, bei Kälte soll gewärmt werden, bei Trockenheit soll befeuchtet werden, bei Nässe soll getrocknet werden.
Oft höre ich:
„Ich esse doch jeden Tag viel frisches Obst wie Orangen, Kiwis und Bananen. Außerdem achte ich auf mein Gewicht und esse viel Yoghurt (hat ja wenig Kalorien) und mageren Käse. Da ich aber viel erkältet bin, schaue ich zusätzlich noch auf eine genügend hohe Vitaminzufuhr durch viel rohes Gemüse. Trotzdem geht es mir nicht gut und ich bin häufig erkältet.“
Unsere Großmütter kochten größtenteils nach den Prinzipien der TCM. Iss das, was deine Region, in deinem Garten zu dieser Jahreszeit hergibt. Denn früher gab es weder Erdbeeren noch Tomaten oder Gurken im Winter.
Wie ich bereits schon in den letzten Monaten erklärt hatte, werden die Nahrungsmittel in der TCM nach ihrem Temperaturverhalten im Körper eingeteilt: Es gibt heiße, warme, neutrale, kühle und kalte Nahrungsmittel.
Kalte Nahrungsmittel, wie Südfrüchte, Tomaten, Gurken, Yoghurt sowie eisgekühlte Getränke kühlen wie in den Organismus stark ab.
Also im Winter wenn möglich weitgehend Verzicht auf z.B.:
Zitrusfrüchte
Wasserreiches Obst
Bananen
Rohkost
Salate
Kalte Getränke
Milchprodukte
Kohlensäurehaltiges Mineralwasser
Und dafür vermehrt wärmende Speisen, z.B.:
Suppen und Eintöpfe
Hülsenfrüchte
Warmer Getreidebrei
Esskastanien
Datteln und Feigen
Nüsse
Zimt
Yogi Tee
Interessant ist für uns hier im Westen eigentlich vor allem der Rat der TCM, auf Zitrusfrüchte im Winter zu verzichten, da wir meinen, unseren Vitamin C Haushalt dadurch aufzufüllen. Die Aussage, dass Zitrusfrüchte vor Erkältung schützen, ist eine „Halbwahrheit“ unserer westlichen Medizin, da die westliche Ernährungslehre die thermische Wirkung der Nahrung außer acht lässt. Aber der kühlende Effekt der Zitrusfrüchte kann nach Sicht der Chinesische Medizin eben das Immunsystem schwächen.
Wer im Winter Zitrusfrüchte, Rohkost und andere abkühlende Nahrungsmittel isst, ist in der Regel wesentlich anfälliger für Infekte und Erkältungen, als Menschen, die sich im Winter traditionell an erwärmende Gemüse-, Hülsenfrüchte– oder Fleischeintöpfe und Suppen halten wie es die TCM sieht. Auch für unsere Kinder gilt: Wenn Kinder im Winter Bananen, Organen und Joghurt essen, oder als Nachtisch ein Eis ist die logische Folge eine chronische „Rotznase“ und Energiemangel.
Warum sind Südfrüchte thermisch kalt? Und was kann ich anders machen?
Der hohe Wassergehalt der Früchte weist auf einen abkühlenden Einfluss hin. In der Regel wird das Obst sehr früh und damit unreif geerntet. Das künstliche Nachreifen einer Banane mit Gas hat nichts mit dem natürlichen Reifeprozess zu tun, den die Banane in der Natur an der warmen Sonne erfährt.
Ein weiteres wichtiges Kriterium ist der Wachstumsort.
Dazu muss ich an dieser Stelle noch ein bisschen weiter ausholen und Ihnen das am Beispiel einer Orange erklären:
Eine Orange, die in der Nähe des Äquators wächst, hat einen höheren Yin-Anteil (steht für abkühlend) als eine Orange, die in Italien wächst. In wärmeren Ländern bieten die dort wachsenden Früchte den Menschen einen Ausgleich zur klimatischen Hitze, die dort herrscht. Wenn aber wir hier im kühlen Mitteleuropa dagegen reichlich Südfrüchte essen, dazu auch noch im Winter (wo es ja ehe schon kalt ist), führt dies zu innerer Kälte und Qi-Mangel und in der Folge zu einem Yang-Mangel.
Das bedeutet: unserem Körper fehlt die Wärme. Dieser Zustand begünstigt das Auftreten von Erkältungskrankheiten. Also genau jenen Zustand, den man versucht zu vermeiden, indem man im Winter häufig Zitrusfrüchte wegen des hohen Vitamin-C-Gehaltes isst. Ob jemand eine Erkältung bekommt oder nicht, ist abhängig davon, wie viel Qi und Wärme im Körper vorhanden ist, um die Kälte abzuwehren.
Ein Trick hilft aber:
Bananen wirken kühlend, wenn sie roh gegessen werden. Werden sie aber in Honig gebacken, wird ihnen wärmende Energie zugeführt. Das gleiche gilt für Äpfel. Roh gegessen sind sie leicht kühlend, als Bratapfel dagegen schön wärmend, vor allem wenn noch Rosinen, Zimt und Honig zugefügt werden.
Vitamin C haltige Nahrungsmittel des Winters:
Sauerkraut, Grünkohl und Lauch enthalten ebensoviel wie Südfrüchte!
Auch hier wieder der Hinweis: Um für einen Menschen die richtige Ernährung zusammen zu stellen, bedarf es einer genauen chinesischen Anmesse, einer Puls- und Zungendiagnostik.
[ 26.11.09 ]
Bleiben Sie gesund, Ihre Beate Winterfeld