Beate Winterfeld heilpraktikerin

Beate Winterfeld Heilpraktikerin

Hauptschüler in Bewerbungsform. Das Programm "Pimp Up"

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 24.01.2007

Von Gudrun Mattern

... überzeugte die Beteilgten und Geldgeber. Fortsetzung folgt am Bertha-von-Suttner Gymnasium

PERSPEKTIVEN FÜR JUGENDLICHE "Pimp Up my Career" heißt übersetzt "Motz´ meine Karriere auf." Der Titel kommt aus der englischen Jugend-Umgangssprache und steht für ein in Deutschland einzigartiges Bewerbungstraining. Innovativ, intensiv, kooperativ, vielseitig, dynamisch und altersgerecht konzipiert, überzeugte "Pimp Up", entwickelt vom TransNationalCouncellingTeam (TNCT) als geeignet, die Chancen junger Leute in so genannten sozialen Brennpunkten zu verbessern. Finanziert mit lokalem Kapital für soziale Zwecke (LOS), einem Bundesförderprogramm, konnten 90 Zehntklässler "Pimp Up" testen. Tatort: Hauptschule St. Michael.

Vier Experten unterschiedlicher Fachrichtungen stürzten die Schüler in ein ungewohntes Lehrgangsabenteuer, das ihnen Fähigkeiten vermittelte, die nicht nur bei Bewerbungen nützen: Sie übten persönliche Stärken zu erkennen und zu nutzen, Schwächen zu akzeptieren, Angst abzubauen, Peinlichkeiten zu vermeiden, Sicherheit und Selbstbewusstsein zu gewinnen, Erwartungen zu erfüllen, ohne die eigene Persönlichkeit aufzugeben.

Weil er gelernt hat, sich auf Rollen einzustellen, ist der Schauspieler und Regisseur Stefán von Cassenberg gefragt, wenn´s um die überzeugend und freundlich klingende Sprache geht oder darum, sich in angemessener Haltung zu präsentieren. Sein Arbeitsschwerpunkt im Viererteam: Motz´ deinen Auftritt auf.

Für Gehirn-Gymnastik ist die Heilpraktikerin Beate Winterfeld zuständig. Sie zeigt, was zu tun ist, damit die linke Hand weiß, was die rechte tut und vermittelt Energie, Stresstoleranz, Konzentrationsmethoden.

Wie Kleider Leute machen weiß Birgit Prystaw. Wer die Stilberatung der Bekleidungsingenieurin durchlaufen hat, steht vor dem großen Auftritt nicht mehr unentschlossen vor dem Kleiderschrank. Prystaws Motto: "Der erste optische Eindruck ist entscheidend." Sie vermittelt ein Gespür für das "was geht, was nicht geht und warum."

Fürs Know-how ist Ruth Damerius, Dipl. Pädagogin, zuständig. Im Training bei ihr entdeckten die Jugendlichen Kompetenzen, lernten, was hinter den Zeilen der Stellenanzeigen steht und was Arbeitgeber erwarten.

Wichtig ist Petra Reif, die die Projektidee aus Dänemark und den USA importiert und auf das Knappenviertel zugeschnitten hat, dass die Jugendlichen ernst genommen und gesiezt werden, dass in Kleingruppen nach Geschlechtern getrennt und ganzheitlich gearbeitet wird.

Der Erfolg: Die St. Michael-Schüler und Lehrer sind durchweg begeistert. Die Geldgeber auch. Deshalb motzt "Pimp Up" demnächst in etwas abgewandelter Form die Fähigkeiten der Bertha-von-Suttner-Schüler auf im Projekt "Pimp Up Excellence"."Der erste Eindruck ist entscheidend".

Liegende Achten

Norman: Das Gelernte lässt sich auch im Unterricht nutzen

Was sagen die Beteiligten? "Es war ein sehr gutes Projekt. Die Methoden der Heilpraktikerin sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Ich nutze sie im Unterricht: Lockern der Muskulatur, die Übungen mit den liegenden Achten", resümiert Norman Jenß (17). Demnächst will er sich bei der Bundeswehr über deren Ausbildungsangebot informieren. Dann weiß er genau: "Wer gibt wem zuerst die Hand." Geholfen habe ihm auch "die Bekleidungssache, aber das Schauspieltraining und das Outfit kann man ja gut zusammensetzen", meint der Klassensprecher der 10 b.

Franziska Janicki (17) hatte bisher noch kein Vorstellungsgespräch, meint aber, dass es gut wäre, "Pimp Up" bereits in den neunten Klassen anzubieten. "Mir hat das Styling-Training am besten gefallen", verrät sie. Ihr nächstes Ziel: die Fachoberschulreife. Sie hat sich am Käthe-Kollwitz-Berufskolleg angemeldet. Trainer Stefán von Cassenberg bestärkt die Schülerin in diesem Entschluss: "Eine weitere Ausbildung ist besser als irgendwo geparkt zu werden."

24.01.2007   Von Gudrun Mattern WAZ Oberhausen

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